»es ist mir inzwischen lieber
ich bin ausgegrenzt
es ist mir lieber
ich bin
nicht eingeschlossen«

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Mit diesem Vers endet das Gedicht »der käfig hat eine tür« von May Ayim. Das Gefängnis aus welchem sie unfreiwillig ausbricht, ist unsere Gesellschaft, welche Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Weltanschauung oder körperlichen Merkmale ausgrenzt. Dieser Schritt, den May erzwungenermaßen geht, ist ein schmerzvoller und gewaltsamer und dennoch erkennt sie darin auch die Möglichkeit »zwischen d[ie] zeilen und unter d[ie] oberfläche« dieser Gesellschaft zu blicken. Wie schmerzvoll und entbehrend mögen die Erlebnisse eines Menschen gewesen sein, wenn sie oder er sich – trotz all der damit einhergehenden materiellen und persönlichen Unsicherheiten und Anfeindungen – lieber außerhalb einer Gesellschaft positioniert, und wie groß ist die Kraft und die Hoffnung, trotz dieser Herausforderungen weiterzukämpfen. Was sagt das über diese – unsere – Gesellschaft aus!? Letztlich steckt darin vor allem die traurige Erkenntnis, dass dieses Gefängnis keinen Ausbruch duldet: Dies wird in May Ayims frühem Tod ebenso deutlich, wie in der polizeilichen Erschießung des minderjährigen Halim Dener 1994. Dessen Tod war kein Unglück, er ist Ausdruck dieses Systems, inwelchem der mutige Kampf für eine andere – eine antirassistische, antikapitalistische und antisexistische – Welt, ohne Mauern und ohne Grenzen, das eigene Leben in Frage stellt. Die Polizeimorde in den USA machen dies in jüngster Zeit ebenso deutlich, wie die tausenden Tote im Mittelmeer – nicht jedes Menschenleben zählt bei uns gleich viel. Wie könnten wir dies deutlicher machen, als durch die bürokratische Gleichgültigkeit von Abschiebungen, wo wir es in Kauf nehmen, Menschenleben zu Sachverhalten und Kosten-Nutzen-Rechnungen zu degradieren.

Das Antiracism-Festival 2017 ist Halim Dener und May Ayim gewidmet. In unseren Veranstaltungen wollen wir ihren Einsatz für ein anderes Zusammenleben nachzeichnen und weitertragen. In Vorträgen, Workshops, Lesungen und beim gemeinsamen Feiern wollen wir über Rassismen und andere gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen lernen, reden und zusammen dagegen ankämpfen. Die Mauern, welche wir im Alltag und durch unsere Lebensweise aufbauen, sorgen dafür, dass der Reichtum, die Sicherheit und die Teilhabemöglichkeiten in Deutschland, in Europa und auf der Welt sehr ungleich verteilt sind. Wir freuen uns darauf mit euch vom 14.06. bis zum 1.07.2017 »unter d[ie] oberfläche« dieser Verhältnisse zu schauen und so viele Türen in diesen Käfig zu hauen, bis dieser gänzlich in sich zusammenbricht!

Das Programm findet ihr hier: antiracism_festival_2017_opt